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Stefan Rochow

Ein Wahrheitssuchender

Vor 80 Jahren wurde der katholische Journalist Fritz Gerlich von den Nationalsozialisten im KZ Dachau erschossen. Gerlich war ein Sucher nach der Wahrheit. Als er glaubte seinen Weg gefunden zu haben, bezahlte er diese Erkenntnis mit seinem Leben.

Fritz Gerlich war ein Mensch mit biografischen Brüchen. Er wechselt seine politische Einstellung, seinen Glauben und ging seinen Weg trotzdem geradlinig und unbeirrt. Die Suche nach der absoluten Wahrheit, das war die große Komponente im Leben des Journalisten Gerlich. Als er glaubte angekommen zu sein, musste er seine Erkenntnisse mit dem Leben bezahlen. Leider scheint der mutige Journalist heute weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein, obwohl er doch zu den wichtigsten Vertretern im publizistischen Widerstand gegen Hitler zählt.

Am 15. Februar 1883 wird Fritz Gerlich in Stettin als ältester Sohn des Fischgroßhändlers und Kaufmanns Paul Gerlich geboren. Der kleine Fritz wächst in einem calvinistisch geprägten Elternhaus auf. Er legte sein Abitur ab und geht 1902 zum Studium an die Universität Leipzig. Drei Semester studiert Gerlich dort Mathematik und Physik, um dann 1903 nach München zu gehen. Dort studiert er Geschichte und Anthropologie. Gerlich promoviert im Jahr 1907. Er bewegt sich in antikommunistischen und nationalkonservativen Kreisen. Zahlreiche Artikel publiziert er in den »Süddeutschen Monatsheften« und macht sich dadurch einen Namen als Journalist mit einer nationalen Gesinnung. Im Jahr 1920 wird Gerlich Chefredakteur der »Münchner Neuesten Nachrichten«, einer Vorgängerzeitung der »Süddeutschen Zeitung«. Die MNN ist damals die größte Zeitung im süddeutschen Raum und vertritt eine monarchistisch-konservative Ausrichtung. Zu diesem Zeitpunkt ist Fritz Gerlich ein national-autoritärer Sympathisant der sich damals gerade erst gegründeten nationalsozialistischen Bewegung von Adolf Hitler. Drei Mal trifft er sich mit Adolf Hitler persönlich. Weiterlesen

Mit einer Kerze zum Altar gehen

Das kam für die Besucher der Langen Reihe in Hamburg am vergangenen Samstag überraschend: Junge Christen laden zum Verweilen im Mariendom und dem Entzünden einer Kerze ein. Viele Menschen folgten am Abend dieser ungewöhnlichen Einladung und waren beeindruckt. Auf dem Altar des Dom steht die angestrahlte Monstranz mit dem Allerheiligsten, umringt von Kerzenlicht und eingehüllt von weißen und roten Tüchern. An der Seite singen junge Menschen Lieder, der an Musik aus Taizé erinnert und damit der Atmosphäre noch mehr Wärme verschaffen.

 

Auf dem Boden überall Teelichter und auf den Stufen sitzen andächtig Menschen, die innehalten und beten. Ein junges Mädchen betritt unsicher die Kirche und hält das ihr geschenktes Licht in der Hand. Eine Mitarbeiterin von „Nightfever“, die an diesem Abend einen Gebetsabend gestalten, geht auf das Mädchen zu. Noch nie hätte das Mädchen in ihrem bisherigen Leben gebetet, gesteht sie. Ob die Mitarbeiterin sie nicht zum Altar begleiten könne. Gerne macht sie das. Beide stehen nun vor dem Allerheiligsten und angesteckt durch die Stimmung in der Kirche, faltet das Mädchen plötzlich andächtig die Hände. Danach setzt sie sich in die Bankreihe und genießt sichtlich das ganze Geschehen. Das Mädchen ist an diesem Abend keine Ausnahme. Viele Menschen, die in ihrem Leben zum ersten Mal eine Kirche betreten oder schon länger nicht mehr verweilt haben, lernen an diesem Abend Kirche von einer ganz anderen Seite kennen. Das kommt an. Dompfarrer Peter Mies, der anfänglich etwas skeptisch war, ob Nightfever ein richtiges Projekt für Hamburg ist, gibt sich nach Veranstaltungsende vollends überzeugt. „Gerne möchte ich mit Ihnen weitermachen, wenn Sie es auch möchten!“. So steht den nächsten Gebetsabenden von Nightfever im Dom nichts mehr im Weg. Nähere Informationen zum Projekt unter www.nightfever-online.de.

Dieser Artikel ist in der Neuen Kirchenzeitung erschienen

Retter auf vier Pfoten

Samstag hieß es im Wohnpark Zippendorf  Vorbereitung auf den Ernstfall. Zwei Rettungshundestaffeln trainierten die Suche nach Vermissten.

 

Sie sind die Retter auf vier Pfoten. Wo Mensch und Technik bei der Suche nach Vermissten scheitern, kommen speziell ausgebildete Spürhunde zum Einsatz.

 

Einsatzbesprechung vor den Übungen

Einsatzbesprechung vor den Übungen

Sven Kastell, der Heimleiter des Wohn- und Pflegeheims Wohnpark Zippendorf, hat immer wieder mit der Suche nach Vermissten zu tun. Erst im Februar diesen Jahres musste Kastel wieder eine Suche auslösen, nachdem ein demenzkranker und orientierungsloser Rentner abgängig geworden war. Eine Spaziergängerin fand durch Zufall den desorientierten Mann  in einem Gebüsch liegend auf dem Gelände des Wohnparks. »So etwas kann auch weniger glimpflich ausgehen als im Februar«, sagt der Heimleiter. Er wollte auf diese Fälle zukünftig noch besser vorbereitet sein und nahm deshalb kurz nach dem Vorfall Kontakt mit dem Einsatzleiter der DLRG-Rettungshundestaffel in Stormarn, Knut Harder, auf.

 

Am vergangenen Samstag trainierte die Hundestaffel der DLRG-Hundestaffel zusammen mit dem Bundesverband Rettungshund (BRH) – Nordelbe den Ernstfall auf dem Gelände des Wohnparks. »Statistisch gesehen, sind wir als Staffel ein Mal die Woche im Einsatz, sagt Fred Schmedemann, der Zugführer der BRH-Rettungsstaffel in Schwerin. Zwischen 80 und 90 Prozent der Einsätze findet nachts bei Dunkelheit statt.Hundeführer und Hund müssen sich deshalb, im wahrsten Sinne des Wortes, blind vertrauen können. Beim Training am Samstag ging es für die beiden Staffeln darum, sich einen Überblick über das Gelände zu verschaffen. »Im Ernstfall kann so etwas viel Zeit sparen«, sagt Sven Kastell, der eine Zeit lang selbst ehrenamtlich als Rettungshundeführer bei einer Staffel in Niedersachsen tätig gewesen ist.

 

Immer wieder streicheln Bewohner die Rettungshunde

Immer wieder streicheln Bewohner die Rettungshunde

Für die Bewohner des Wohnparks ist das Hundtraining vor Ort eine Attraktion. Nach und nach finden sie sich vor Haus 3 ein. Knut Harder erklärt den Bewohnern, wie man sich die Einsätze der Hundestaffel vorstellen muss. Die Hunde selbst sind an Menschen gewöhnt. Immer wieder gehen sie auf die Bewohner zu und lassen sich bereitwillig streicheln. Dann wird es für die Hunde ernst.

 

Rettungshund Merle bereitet sich auf die Übung vor

Rettungshund Merle bereitet sich auf die Übung vor

Fred Schmedemann bereitet seinen Hund Merle auf die erste Übung vor. Merle gehört als Trümmerhund zu den besonderen Hunden der Staffel. Führt ein Unglück dazu, dass Menschen unter den Trümmern ihres Hauses begraben werden, dann ist Merle zur Stelle und unterstützt die Suche nach den Vermissten. Dazu hat der Rettungshund eine umfangreiche Prüfung abgelegt und kam im Oktober des letzten Jahres auch schon erstmalig zum Einsatz. Heute ist die Aufgabenstellung daher für Merle relativ einfach. Ein Teammitglied versteckt sich auf dem Gelände und simuliert damit eine vermisste Person. Merle soll sie suchen.

 

„Merle“ rennt. Die siebenjährige Hündin hält ihre Nase in den Wind. Sie nimmt die Witterung zur »Verletzten« auf. Animiert durch die Zurufe ihres Hundeführers läuft die Hündin durch den Park in Zippendorf. Schließlich findet der ausgebildete Rettungshund das „Opfer“ hinter einem Gebüsch und macht durch lautes Gebell auf sich aufmerksam. Dieses Szenario zeichnet ein Bild von der Realität, wie solche Suchen verlaufen.

 

Noch zwei Mal wird die Situation wiederholt. Diesmal suchen andere Rettungshunde das simulierte Opfer. Man merkt, dass sich hier eingespielte Teams auf die Suche begeben.

 

Alle 18 Monate muss ein Hundeführer mit seinem Tier gemeinsam eine Eignungsprüfung ablegen. Das bedeutet, immer wieder aufs Neue seine Kompetenz und Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Es werden aber auch andere Fähigkeiten vorausgesetzt: Man muss mit GPS umgehen können, Karten lesen, Koordinaten eingeben und wissen wie der Funkverkehr richtig abläuft. Damit im Ernstfall alles reibungslos klappt, müssen die Hunde regelmäßig trainieren. »So etwa zwei Mal die Woche, heißt es für unsere Hunde Training«, sagt Fred Schmedemann.

 

Die Hundestaffel leistet ihre wichtige Arbeit ehrenamtlich. Neben der investierten Zeit, kostet der Betrieb der Hundestaffel auch Geld. Die Rettungshunde finanzieren sich daher aus Spenden. »Wer uns unterstützt, finanziert nicht unser teures Hobby. Er unterstützt die Rettung von Menschenleben, sagt Knut Harder aus Stormann, der auch für Einsätze hier in Schwerin zuständig ist.

Dieser Artikel ist zuerst in der Internetzeitung Schwerin-Lokal erschienen.