Browse Category

Religion

Veranstaltung des Thomas-Morus-Bildungswerks

Bildungstag in Rostock nährt sich kritisch dem Christsein

»Derzeit ist so etwas wie ein Rückzug christlicher Stimmen ins kirchliche Kuscheleck und ein verbreitetes Misstrauen gegen die Vernunft in Glaubensdingen zu beobachten«, meint Prof. Dr. Dr. Klaus Müller, der an der Universität in Münster Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie ist. Am vergangenen Samstag war er Gast auf dem Bildungstag des Thomas-Morus-Bildungswerkes in Rostock.

 

Gut 100 Zuhörer fanden sich im Gemeindezentrum der Christuskirche ein, um sich an diesem Tag in vier Schritten den Grundaussagen des christlichen Glaubens zu nähren. »Glauben, Fragen, Denken. Wie wir diesen heutigen Bildungstag unter dieses Thema gestellt haben, erreichten mich viele Rückmeldungen von Menschen, die sagten, so ein Thema schreckt ab«, sagt Germar Schwarz vom Morus-Bildungswerk. Die Grundlagen des Glaubens, so die Wahrnehmung des Bildungsreferenten, werden zusehends dünn. Daher sei es immer wieder notwendig, sich zu den Quellen zurückführen zu lassen.

Weiterlesen

Ein Mann der Innerlichkeit

Als am vergangenen Freitag über die Medien durchsickerte, dass der neue Hamburger Erzbischof Stephan Heße heißen wird, waren die meisten Katholiken im Erzbistum Hamburg erstaunt. Selbst Insider hatten den 48-jährigen Kölner Generalvikar nicht auf ihrer Liste gehabt. Für viele Nordkatholiken schien es bisher immer ein fast ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Hamburgs Erzbischof aus den Diözesen Osnabrück oder Münster kommt. Viel weiß man daher noch nicht vom zukünftigen Oberhirten der an Fläche größten Diözese Deutschlands. Mit viel Spannung erwartete man aus diesem Grund am vergangenen Dienstag den Antrittsbesuch von Stephan Heße.

 

 

Über den Domplatz, in Begleitung von Diözesanadministrator Ansgar Thim und Dompropst Franz-Peter Spiza, schlenderte der designierte Erzbischof auf den Mariendom, seiner zukünftigen Kathedrale, zu. Zusammen mit den Gläubigen und dem Domkapitel möchte er im Dom beten. Das Interesse am neuen Oberhirten der etwa 400.000 Katholiken starke Diözese ist groß. Vor allem viele Medienvertreter sind gekommen um sich ein Bild von dem Neuen zu machen.

 

 

Am frühen  Vormittag ist Heße auf dem Flughafen Hamburg gelandet und von Gemeindemitgliedern begrüßt worden. Zusammen mit Diözesanadministrator Thim ging es dann zum emeritierten Erzbischof Werner Thissen. Nun das gemeinsame Gebet und anschließend eine Pressekonferenz.

 

 

Spontan stimmen die Gläubigen das Lied »Viel Glück und viel Segen« an. Im Dom angekommen, begrüßt Stephan Heße die Gläubiger und stellt sich vor. Als das Domkapitel ihn in der vergangenen Woche über seine Entscheidung informierte, sei seine spontane Reaktion gewesen »Habt ihr Euch das auch gut überlegt?«. Immerhin könnte Deutschlands zukünftig jüngster Diözesanbischof theoretisch 27 Jahre Erzbischof in Hamburg bleiben, bis er emeritiert werden kann. Das ist eine sehr lange Zeit. Stephan Heße bedankt sich für die freundliche Aufnahme. Mit seiner zukünftigen Diözese verbinde ihn im Moment lediglich die Teilnahme an einer Konferenz vor einigen Jahren. Er erinnere sich da an Regenwetter und eine kurze Besichtigung der Hafencity. Er freue sich auf seine neue Aufgabe und sei sehr gespannt. Möglichst schnell möchte er daher das Gebiet des Erzbistums Hamburg und die hier lebenden Menschen kennenzulernen.

Weiterlesen

Offener Brief an den Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrat Ruprecht Polenz

Am Rande des Marsch für das Leben am 20.09. 2014 wurde der Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe von ZDF-Mitarbeitern körperlich angegriffen. Der bis 2013 als Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen tätige CDU-Politiker, nahm als bekennender Lebensrechtler am Marsch für das Leben teil.

Pressefreiheit ist ein hohes Gut und ein Kernbestandteil einer demokratischen Grundordnung. Ebenso stellt Pressefreiheit aber auch Journalisten vor eine hohe ethische Verantwortung. Faire, sachliche und objektive Berichterstattung sind aus meiner Sicht Minimalanforderungen an einen  Journalisten. Was sich aber hier am Rande des Marsch für das Leben abspielte, ist verantwortungsloses Herumzündeln und geistige Brandstiftung unter dem Deckmäntelchen der Pressefreiheit. Wer dann darüber hinaus auch noch gewalttätig wird, kann sich in keiner Weise mehr auf die Pressefreiheit berufen. Im Namen des ZDF sind hier nicht nur journalistische Grundsätze sträflich über Bord geschmissen worden,  sondern es ist auch jede Form des Anstandes gegenüber Hubert Hüppe verletzt worden. Das ist ein Fall für den ZDF-Rundfunkrat und das ZDF ist hier gefordert, sich eindeutig von so einer Krawallberichterstattung zu distanzieren.

Aus diesem Grunde habe ich heute einen Offenen Brief an den Vorsitzenden des ZDF-Fernsehrat Ruprecht Polenz, der das Aufsichtsgremium der Medienanstalt, geschrieben.

Sehr geehrter Herr Polenz,

in der Berichterstattung zum „Marsch für das Leben“ am 20.09. 2014 war in verschiedenen Medien von einem körperlichen Angriff von ZDF-Mitarbeitern auf den Bundestagsabgeordneten, Hubert Hüppe zu lesen. Gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur kath.net, äußerte sich Hüppe wie folgt zum dem Vorfall:

„Ich wurde von Mitarbeitern des ZDF körperlich angegangen, das heißt: weggestoßen.“ Zuvor habe er andere Demonstranten darauf hingewiesen, dass das ZDF-Team nicht etwa für eine Informationssendung, sondern für die Satiresendung „heute-show“ unterwegs sei.

Die „Reporter“ hätten den Teilnehmern Fragen gestellt wie etwa: „Wen würden Sie denn heute gern kreuzigen?“ Nachdem Hüppe die ZDF-Mitarbeiter als Satiriker enttarnte, sei er von ihnen körperlich angerempelt worden. Als Hüppe weitere Demonstranten, die gerade ein Interview gaben, auf den Hintergrund der Interviewer aufmerksam machen wollte, habe einer der „heute-show“-Mitarbeiter gesagt: „Schafft mir den vom Hals.“ Wie kath.net weiter berichtet, wurde Hüppe daraufhin ein weiteres Mal von ZDF-Mitarbeitern bewusst abgedrängt, also körperlich direkt angegangen. Als Hüppe verbal Widerspruch gegen diesen Umgang eingelegt habe, sei die ZDF-Kamera frontal auf ihn gerichtet worden, und er hörte sich im Kommentar „als einen von denen, die Randale machten“, beschrieben.

 Sollte diese Darstellung von Herrn Hüppe zutreffen, dann hätten die ZDF-Mitarbeiter gleich gegen mehrere „Richtlinien für die Sendungen und Telemedienangebote des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)“ verstoßen.

 Offenbar haben sich die Mitarbeiter ihrer Sendeanstalt nicht als Mitarbeiter für die Satiresendung „heute show“ zu erkennen gegeben und den Eindruck erweckt, sie würden eine Sachberichterstattung vorbereiten. Mit Qualitätsjournalismus hat diese Vorgehensweise nichts zu tun.

 Selbstverständlich war es den ZDF-Mitarbeitern unbenommen, im Rahmen einer Satiresendung, den Grundsatz von Sachlichkeit, auf die sie in ihren Richtlinien ihre Mitarbeiter verpflichten, im gewissen Rahmen zu ignorieren. Hierzu hätte es aber des Spielens mit offenen Karten bedurft. Das war aber offenbar zu keinem Zeitpunkt geplant.

 Anders lässt es sich nicht erklären, dass ein Mitarbeiter auf den Hinweis des Bundestagsabgeordneten zum Hintergrund der Sendung mit den Worten „Schafft mir den vom Hals“ reagierte.

 Viele Teilnehmer des Schweigemarsches in Berlin, nahmen zu einem überwiegenden Teil aus religiösen Motiven an dieser Veranstaltung teil. Von ihrer Sendeanstalt hätte ich mir daher gebührende Erfurcht vor den Motiven der Teilnehmer gewünscht. Stattdessen treten die ZDF-Mitarbeiter wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen auf. Fragen wie  „Wen würden Sie denn heute gern kreuzigen?“ zeugen von einer Verächtlichmachung und Herabwürdigung des christlichen Glaubens, der mehr als bedenklich ist.

 In den ZDF-Richtlinien kann man lesen: „Die Angebote sollen die Toleranz im Sinne der Achtung von Glauben, Meinung und Überzeugung der Mitmenschen sowie die Anerkennung der Rechtsordnung fördern“. Diese Grundsätze wurden von den ZDF-Mitarbeitern völlig ignoriert.

 Völlig aus dem Ruder ist das Verhalten der ZDF-Mitarbeiter aber gelaufen, als sie, sollte die Darstellung Hüppes zutreffen, den Bundestagsabgeordneten körperlich angriffen und wegschubsten. Hier ist nicht nur die Grenze des Anstandes überschritten worden, sondern hier könnten auch strafrechtliche Belange berührt worden sein.

 Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Verhalten beim Zweiten Deutschen Fernsehen vom ZDF-Fernsehrat gutgeheißen und in der Medienanstalt keine Konsequenzen haben sollte.

 Ich würde mich freuen, wenn der ZDF-Fernsehrat als Aufsichtsgremium des ZDF über diesen Vorfall diskutieren und eine deutliche Position zu diesem Vorfall bezieht.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Rochow

Papst-Kenner berichtet in Rostock über die »Revolution Franziskus«

»Seit über einem Jahr haben wir einen Papst, den es in dieser Form noch nie gab«. So leitete der Vatikan-Experte und Bestseller-Autor Andreas Englisch seinen Vortrag ein. Auf Einladung des Thomas-Morus-Bildungswerkes (TMB) berichtete der langjährige Vatikan-Korrespondent am vergangenen Samstag im Barocksaal der Universität Rostock über »Papst Franziskus – Zeichen der Hoffnung für Kirche und Welt«.

 

Als Leiter des Korrespondentenbüros des Axel-Springer-Verlags und bis 2010 fest angestellter Italien- und Vatikan-Korrespondent war Andreas Englisch für die »Bild-Zeitung« und »Bild am Sonntag« in den vergangenen 25 Jahren immer sehr nahe an den Päpsten dran. Die gut 200 Besucher der Veranstaltung, erwarteten daher vom dem aus Rom angereisten Journalisten, dass er aus dem Nähkästchen plaudern würde.

 

Englisch gewährte in einem lebendigen Vortrag einen hochinteressanten Blick hinter die Kulissen des Kirchenstaates. Immer wieder würzte er Ereignisse mit seinen eigenen Erlebnissen und verlieh den Geschichten damit große Lebendigkeit. Er schilderte, wie er nach Rom kam und auf der Suche nach einer Anstellung eher zufällig Vatikan-Korrespondent wurde. Mit der Katholischen Kirche und dem Papst, hatte der damals 23-jährige, der früher zwar einmal Messdiener gewesen war, nichts mehr am Hut. Durch seiner Tätigkeit und die Nähe zum damaligen Papst Johannes Paul II., fand Englisch ab 1988 wieder mehr und mehr zum Glauben.

 

Die Zeit mit Johannes Paul II., war offenbar  die prägenste Zeit des Journalisten . Immer wieder kam er daher auf diese Ära zurück. »Ich habe früh aufgehört ein objektiver Journalist zu sein«, so Englisch. Viele Besucher hätten sich, das wurde auch in den Fragerunden deutlich, eine größere Objektivität des Vatikan-Insiders gewünscht. Auf Widerspruch stieß vor allem die Behauptung Englisch, dass Ratzinger nach seiner Wahl zum Papst einen starken Kontrast zum Wojtyla-Papst hätte setzen wollen. Auch die Aussage, dass Papst Benedikt XVI. im Vatikan »entmachtet« worden sei und aus »Handlungsunfähigkeit« zurückgetreten sei, konnte von Englisch nach Ansicht vieler Besucher nicht ausreichend gestützt werden.

 

Papst Franziskus sei der »Revolutionär der Kirche«, so Andreas Englisch. »Der Papst soll eigentlich nicht wissen, was im Vatikan wirklich passiert. Franziskus veranstaltet nun aber eine Revolution von oben. Das ist etwas ganz Neues in der Geschichte der Katholischen Kirche«. Englisch machte diese Revolution vor allem an Äußerlichkeiten wie zum Beispiel den Nichteinzug in den Apostolischen Palast oder das veränderte Umgangsklima fest, die von der ersten Minute des Pontifikats für Erstaunen in der Welt sorgten. Bergoglio kannte der Korrespondent schon von einer Reise nach Brasilien im Jahr 1992. Schon damals hätte er den Eindruck gewonnen, dass der spätere Papst Franziskus ein »Kämpfer« sei. »Es geht nicht nur um den Glauben, sondern auch um das Tun«, so fasste Englisch die Kernbotschaft Bergoglios zusammen. »Papst Franziskus hat eine globale Vision«, betonte Englisch. Er möchte die Kirche wieder zukunftsfähig machen und den Menschen mit auf dem Weg geben, »blast kein Trübsal, weil ihr katholische Christen seid«. Die Kirche müsse innerhalb der Welt wirken.

Dieser Artikel ist in der Neuen Kirchenzeitung vom 20.09.2014 erscheinen

Erstmals Diskussion mit Donum Vitae auf dem Katholikentag

 

Die Erwartungen waren riesig groß. Keine Veranstaltung auf dem diesjährigen Katholikentag in Regensburg hatte schon im Vorfeld für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie das Podium „Schwangerenberatung und Schwangerschaftskonfliktberatung – Zum Schutz des ungeborenen Lebens als gemeinsame Aufgabe“. Eine Ortsbesichtigung.

 

Ursprünglich war eine Diskussion wie diese, überhaupt nicht vorgesehen. Wie an den vorangegangenen Katholikentag auch, wollte das Zentralkomitee deutscher Katholiken (ZdK) den von ihm gegründeten Verein „Donum Vitae“ mit seinem Informationsstand auf der „Katholikentagsmeile“ wieder einmal einfach durchwinken. Doch hatte das ZdK seine Rechnung offenbar ohne den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer aufgemacht und sich prompt verrechnet. Denn Voderholzer, als Ortsbischof zugleich Mitveranstalter des Katholikentags, wollte dem Verein, der entgegen päpstlicher Weisungen in der Scheinberatung verblieb, ursprünglich gar kein Forum bieten. Das ZdK schon.

 

Hinter den Kulissen wurde deshalb mit harten Bandagen gerungen. Man einigt sich schließlich auf einen Kompromiss: „Donum Vitae“ würde in Regensburg mit einem Stand auf der Katholikentagsmeile „geduldet“ werden, wie Bischof Vorderholzer betonte, sollte sich aber auf einem Podium der Diskussion mit Lebensrechtlern stellen müssen, die keine Beratungsscheine ausstellen, die – so sieht es die gesetzliche Regelung in Deutschland nun einmal vor – zu einer straffreien Abtreibung berechtigten.

 

Der Regensburger Bischof, der in Fragen des Lebensschutzes für das Zeigen einer klaren Kante bekannt ist, fand denn auch auf der Eröffnungspressekonferenz deutliche Worte: „Keine Frau macht gern ihren Leib, indem sie ein Leben lang lebt und als der sie lebt, zum Schauplatz eines Massakers“. Die vorgeburtliche Kindstötung als ein „Massaker“ im Mutterleib zu bezeichnen – das saß, war an entwaffnender Deutlichkeit nicht zu übertreffen und verwunderte daher nicht nur die Journalisten im Saal.

 

Rita Waschbüsch, die Bundesvorsitzende von „Donum Vitae“, die von 1988 bis 1997 (als erste Frau) auch schon Präsidentin des ZdKs war, reagierte auf die „Duldung“ durch den Bischof offensichtlich vergräzt: „Wir fühlen uns nicht geduldet, sondern wir sind als katholische Laien Mitveranstalter hier und haben entschieden, dass Donum Vitae gleichberechtigt auf der Kirchenmeile ist“.

 

Angesichts eines solchen Vorgeplänkels versprach die Podiumsdiskussion also spannend zu werden. Vor der „RT-Halle“, der Sportstätte der traditionsreichen Regensburger Turnerschaft, angekommen, galt es, sich in das Heer derer einzureihen, die vor der Halle standen und darauf warteten, eingelassen zu werden. Auffallend viele junge Leute, interessierten sich für das Thema. Um 14:00 Uhr, zu diesem Zeitpunkt sollte die Veranstaltung eigentlich beginnen, deutete allerdings noch nichts darauf hin, dass es bald losgehen würde. Dann verkündete der Veranstalter, dass drinnen noch die Stühle aufgebaut werden müssten, weshalb sich der Einlass verzögern würde.

 

In kleinen Gruppen wurden dann 15 Minuten nach dem ursprünglich geplanten Veranstaltungsbeginn, die Menschen in den Saal hineingelassen. Podiumsteilnehmer berichteten nachher, dass der Saal mindestens schon eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn bestuhlt gewesen sei. Ich selbst wurde auf die Presseplätze auf einem Balkon geleitet und stelle in den Saal blickend verwundert fest, dass vorne schon viele Menschen Platz genommen hatten. Viele Besucher der Veranstaltung sagten im Nachgang, sie hätten gesehen, dass Menschen vor Veranstaltungsbeginn durch einen Seiteneingang Menschen hineingelassen worden seien. Zumindest werden an diesem Tag Anhänger des Vereins „Donum Vitae“ ohne gültige Eintrittskarte, auf Einladung des Vereins, Einlass. Das ist manchem ein Dorn im Auge. ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper müht sich denn auch gleich zu Beginn der Veranstaltung, die Wogen zu glätten. Bei den Teilnehmern mit den Einladungen von Donum Vitae, handele es sich um „reguläre Katholikentagsbesucher“, die nur „noch nicht ihre Tageskarten hätten abholen können“, stellt Vesper klar. Er selbst garantiere dafür, dass das Geld für die Karten nach der Veranstaltung auch gezahlt werden würde, so Vesper

 

Die Pressesprecherin von Donum Vitae, Ariane Heller, bestätigte später auf Anfrage die Darstellung Vespers. Der Bayerische Landesverband von Donum Vitae habe seine Mitglieder und Förderer zum Besuch des Standes auf der Katholikentagsmeile und der Podiumsdiskussion eingeladen. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen worden, dass die entsprechenden Tageskarten, die für den Zutritt zur Podiumsveranstaltung erforderlich waren, durch die Eingeladenen am Stand abzuholen seien. Der Landesverband hätte diese Karten vorbestellt und beim Katholikentag gekauft. Die bezahlten und nicht am Stand abgeholten Tageskarten für die Besucher der Podiumsdiskussion seien laut Heller einem Mitarbeiter des Katholikentages übergeben worden.

 

Bleibt der Vorwurf, dass Anhänger von Donum Vitae über den Seiteneingang vor Beginn des offiziellen Einlasses in den Saal hineingelassen worden seien. Was die Frage aufwirft, ob es eine Absprache zwischen dem ZdK und dem Verein Donum Vitae gegeben hatte? Sollte mit dem frühzeitigen Einlass der Donum Vitae – Leute verhindert werden, dass Kritiker des Vereins in vorderster Reihe Platz nehmen konnten?

 

Donum Vitae-Pressesprecherin Heller bestreitet diese Vorwürfe und betont dass es keine „Absprache vor und während der Veranstaltung mit den Verantwortlichen des ZdK gegeben hat“. Auch ZDK-Pressesprecher, Theodor Bolzenius, bestätigt auf Anfrage die Darstellung von Donum Vitae. Er dementiert darüber hinaus, dass Leute von Donum Vitae über den Seiteneingang hineingelassen worden seien. „Zum Zeitpunkt des Einlasses in die Veranstaltung befanden sich im Raum lediglich Vertreter der Veranstalter, des Bistums Regensburg und des ZdK, sowie die Mitwirkenden und die Ordner“, so der Pressesprecher. „Mit Donum Vitae gab es keinerlei Absprachen über die mit den Veranstaltern getroffenen Vereinbarungen zum Ablauf der Veranstaltung hinaus“, stellt Bolzenius klar.

 

„Es gibt keine Veranstaltung des Katholikentags, auf dem ein größerer Erwartungsdruck liegt“, leitetet die Programmchefin des „Rundfunks Berlin-Brandenburg“ (rbb), Claudia Nothelle, die Podiumsdiskussion gleich zu Beginn ein. Wer erwartet hatte, dass man während der Diskussion eine Lösung der Streitfragen zwischen Lebensrechtlern, die auf dem Boden der katholischen Lehre stehen und den Vertretern der Donum-Vitae-Position präsentieren könne, der hatte die Möglichkeiten der Diskussion einfach überschätzt. Man redete zwar miteinander – was angesichts der Menge des Porzellans, das in der Vergangenheit zerbrochen wurde, auch schon ein nicht gering zu achtender Fortschritt ist. Doch für mehr scheinen die Vorstellungen der Kirche und des Vereins „Donum Vitae“ im Zusammenhang mit der Ausstellung eines Beratungsscheins, der die straffreie Tötung ungeborener Kinder im Mutterleib ermöglicht, zu weit auseinander zu liegen.

 

Der Verein „Donum Vitae“ wurde 1999 von Katholiken aus den Reihen des ZdK’s gegründet, nachdem die Kirche in Deutschland nach mehreren Ermahnungen des damaligen Papstes Johannes Paul II. aus dem staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung ausgestiegen war. Papst Johannes Paul II. kritisierte damals, dass „der unbedingte Einsatz für jedes ungeborene Leben, dem sich die Kirche von Anfang an verpflichtet weiß“, mit der Ausstellung eines Beratungsscheins nach § 219 StGB, mit dem in Deutschland eine Abtreibung straffrei bleibt, unvereinbar ist. Der Verein beharrte aber weiterhin darauf, die umstrittenen Beratungsscheine ausstellen zu wollen. Die Beraterinnen und Berater von „Donum Vitae“ stehen seitdem, entgegen eigener Behauptungen, außerhalb der Katholischen Kirche.

 

„Abtreibung ist keine Banalität“, macht die stellvertretende Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Sophia Kuby in ihrem Statement deutlich. Das Pflichtberatungskonzept, das mit der Reform des Paragrafen 218 vor 20 Jahren eingeführt wurde, sei gescheitert. „In diesem gesetzlichen System kann nicht für das Leben beraten werden“, brachte Kuby ihren, von vielen Lebensrechtlern geteilte Position auf den Punkt. Abtreibung könne nie eine Lösung sein, sondern müsse als Scheitern verstanden werden.

 

Dem widersprach der Moraltheologe Pater Prof. Dr. Josef Schuster sofort. Für die These, dass das Beratungskonzept gescheitert sei, gebe es keinen Beleg, so der Jesuit. Abtreibung sei ein „Menschheitsproblem“, das es schon immer gegeben habe. Strafgesetze verringerten, so die Ansicht von Schuster, keine Abtreibung und erreichten nichts. Der Hochschullehrer an der Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/Main sprach sich für die Ausstellung des Beratungsscheins aus. Seine Ausstellung, so Schuster, bedeute nämlich nicht immer, dass auch tatsächlich abgetrieben würde.

 

Dem widersprach im Anschluss der Osnabrücker Sozialethiker Prof. Dr. Manfred Spieker. Für Spieker ist der Beratungsschein eine „Lizenz zum Töten“ und ein „Passierschein ins Elend“, der mit großen körperlichen und psychischen Folgen für die Frauen verbunden sei. Der auf dem Feld des Lebensschutzes engagierte Hochschulprofessor sieht den Bundestag in der Pflicht, nun den vom Bundesverfassungsgericht verlangten Prüfungsauftrag umzusetzen.

 

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Alexandra Linder, betonte in ihrem Statement zunächst die Gemeinsamkeit mit Donum Vitae. Beide Vereine wollten ungeborene Menschen schützen. Über den Weg dahin, sei man allerdings

verschiedener Auffassung. Die Ausstellung eines Beratungsscheins, wie von Donum Vitae praktiziert, bedeutet eine Kapitulation vor dem Unrecht der Abtreibung und könne nicht akzeptiert werden. Aus ihrer eigenen Praxis als Beraterin wisse sie, dass Frauen in den meisten Fällen ihre Kinder behalten möchten und oft „von außen herangetragene Gründe“ dazu führen, dass sie eine Abtreibung in Betracht ziehen. Daher ginge es in der Beratung darum, für die betroffenen Frauen in allen Lebenslagen erreichbar zu sein.

 

„Je besser wir das geborene Leben schützen, umso besser schützen wir auch das ungeborene Leben“, sagte die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie wies darauf hin, dass 80 Prozent der Mitarbeiter der Beratungsstellen nach Ausstieg aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung durch die Katholische Kirche zu Donum Vitae gewechselt hätten. „Sie haben das gemacht, was sie bisher immer gemacht hatten“.

 

Die anschließende Diskussion, in der auch Zuhörer Fragen stellen konnten, zeigte deutlich, dass eine Annäherung der Positionen auch in Zukunft ziemlich unwahrscheinlich ist. Ein Brückenschlag zu Donum Vitae, wie von einigen Katholikentagsbesuchern erhofft, ist schwierig, da dieser angesichts des Beharrungswillens des Vereins auf einen faulen Kompromiss hinauslaufen müsste. Einen Kompromiss, der im Zweifel bedeuten würde, doch den Beratungsschein als eine „Lizenz zum Töten“ auszustellen dem kann und darf die Kirche jedoch nicht zustimmen. Eine Lösung ist also nach wie vor nicht in Sicht.

Dieser Artikel ist in der Verbandszeitschrift „LebensForum“ erschienen.

  • 1
  • 2