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Persönliches

Verbotsverfahren gegen die NPD

Warum ein Verbot keine Antwort ist

Karlsruhe_bundesverfassungsgericht

Es ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensbiografie. Ich sitze in einem Zug und fahre Richtung Karlsruhe. Nicht dass ich in den letzten Jahren nicht auch schon ab und an mal in Karlsruhe gewesen wäre. Der Besuch der Stadt ist also wirklich kein biografischer Rückschritt. Der Grund meines Besuches ist es, der mich zurückdenken lässt. Ab morgen wird vor dem Bundesverfassungsgericht über das Verbot der NPD verhandelt werden. Die Argumente der Antragsteller sind schon vor einigen Jahren auf weit über 200 Seiten an den obersten Gerichtshof gegangen. Im Kern möchte der Bundesrat belegen, dass die rechtsextremistische Partei in Teilen unseres Landes eine Atmosphäre der Angst schürt und damit das demokratische Leben stört. Das Bundesverfassungsgericht, das in Deutschland das einzige Organ ist, dass ein so scharfes Schwert wie ein Parteiverbot aussprechen kann, möchte sich nun in einem Anhörungsverfahren ein Bild darüber machen, wie stichhaltig die Argumentation der Antragsteller juristisch zu bewerten ist. Weiterlesen

Freidenkertum hat eine neue Stimme im Internet

Grafik GrünSeit Donnerstag beteilige ich mich an einem für mich besonderem Projekt.

Der freie Journalist und Publizist Andreas Molau und ich haben den Blog „FreisinnBlog“ ins Leben gerufen. Durch dieses Projekt soll das Freidenkertum in unserer Gesellschaft gestärkt werden. Gerade weil sich hier “gebrannte Kinder” zusammengefunden haben, die ihre eigenen Erfahrungen in den unterschiedlichsten totalitären Strömungen unseres Landes gemacht haben, sollen diese Lebenserfahrungen hier einfließen. Uns beide verbindet unsere in einem schmerzhaften Prozess gewonnene antitolitatäre Grundhaltung. Da in diesem neuen Blog aber auch bekennende Individualisten am Werk sind, können wir dem Leser eine Meinungsvielfalt garantieren. Nur aus der persönlichen Freiheit heraus, können die Dinge entstehen, die verteidigenswert sind.

Ich würde mich freuen, wenn meine treuen Leser den neuen Blog ebenso regelmäßig besuchen würden. Selbstverständlich werden Sie hier auch weiterhin meine eigenen Beiträge um alle Dinge die mich bewegen, lesen können.

Zum neuen Blog geht es hier

Danke Heiliger Vater, Sie haben mein Leben kräftig durcheinandergewirbelt

Er ist der Fels in der Brandung, für manche ein antimodernes Fossil. Geliebt, verspottet, bewundert und gehasst – heute begeht Papst Benedikt XVI. seinen 85. Geburtstag. Damit gehört der Ratzinger-Papst zu einen der ältesten Päpste in der Nachfolge des Hl. Petrus. Für mich ist es ein guter Grund, ihm auf diesem Wege einen Geburtstagsgruß zukommen zu lassen.

Heiliger Vater, im April 2005 traten Sie in mein Leben. Ich habe mich in meinem Leben nie für den Katholizismus interessiert. Ich bin zwar evangelisch aufgewachsen. In den letzten Jahren, hatte ich mich vom Glauben an Jesus Christus immer weiter entfernt. Ich bin ein überzeugter Nationalist geworden. Volk, Rasse und Vaterland heißen meine Götter, die mir Lebensmittelpunkt geworden sind. Das Christentum hat in meinem Denken keinen Platz. Für mich ist es Judentum für Nichtjuden – eine „artfremde“ Religion für Weicheier.

Trotzdem interessiere ich mich für die Papstwahl. Plötzlich erscheint ein kleiner Mann auf dem Balkon des Peterdoms. Schüchtern winkt er den Menschen zu. Alles strahlt Bescheidenheit, Demut und Zurückhaltung aus.  Irgendwie wirkten Sie damals, da oben auf dem Balkon, verloren. Ich hatte Ihren Namen immer mal wieder gehört – wirklich etwas anfangen mit Ihnen kann ich noch nicht. Ich spüre aber, dass da etwas in Ihnen ist, was mich neugierig macht. Weiterlesen

Brief an den Alten Fritz

Lieber Fritz,

ich spreche Dich hier zu vertrauensvoll an, weil Du mich seit meiner Kindheit begleitest. Immer wieder flackertest Du auf: Ob als derjenige, der die Kartoffel nach Europa brachte, ob als anspruchsloser König oder als Schön- und Freigeist.

Unsere Freundschaft begann alles andere als glücklich. Ich hatte am Anfang sehr wenig Sympathien für Dich. Ich war 9 Jahre alt und es wurde die damals in der DDR populäre Serie „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ ausgestrahlt. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals in Dresden gewesen und war als Kind geradezu begeistert von der Stadt. So war es für mich selbstverständlich, dass ich in der Serie auf der Seite der Sachsen stand. Du hingegen erschienst mir als Zerstören und Störenfried. Ich kann mich noch gut an die Filmszene erinnern, als das Brühlsche Palais von Deinen Soldaten besetzt wird und die Einrichtung zerschlagen wird. Ich sah nur die Kunstschätze und war von der sächsischen Pracht geblendet – Dich mochte ich deshalb nicht.

Das änderte sich aber mit der Zeit und mit 12 Jahren las ich die erste Biografie von Dir. Mich bewegte Deine Kindheit, die Strenge Deines Vaters und der Konflikt mit ihm, der Dich in die Festung Köstrin führte und Dir Deinen besten Freund Hans Hermann von Katte durch das Richtschwert des Vaters nahm. Den Kattes fühlte ich mich sozusagen verwandschaftlich verbunden – die Schwester Deines Freundes Katte heiratete den Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Rochow. Es war, aber das weißt Du sicherlich besser als ich, auch ein Oberst von Rochow – damals Dein militärischer Erzieher – gewesen, der Deine Flucht nach Frankreich vereitelte und damit Preußen vor einem großen Skandal bewahrte.

Wir hatten also auf Umwegen etwas miteinander zu tun. Auch wenn ich sehr viel Jahre nach Dir geboren wurde, warst Du mir Begleiter. Manchmal, das muss ich zugeben, hätte ich etwas mehr auf Dich hören sollen. Besonders Deine Toleranz, die sich in einer Randnotiz zu einem Bericht „…hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden!“ ausdrückt, hätte ich mir mehr zu Herzen nehmen sollen. Leider habe ich für diese Erkenntnis ein paar Jahre mehr benötigt. Allerdings lernt man ja nie aus.

Heute hast Du nun Deinen 300. Geburtstag. Ich möchte natürlich an dieser Stelle auch zu den Gratulanten gehören.

Es ist schon verrückt, dass sich Menschen auch 300 Jahre nach Deiner Geburt an Dich erinnern können. Bis heute erhitzt Du die Gemüter vieler Zeitgenossen. Sie streiten sich darüber, ob Du nun eher der Philosoph auf dem Thron gewesen bist oder ein blutrünstiger Kriegstreiber. Für mich werden Dir beide Extrembilder nicht gerecht. Vielleicht warst Du eher ein Spieler? Immerhin führtest Du ja auch das Lottospiel in Preußen ein.

Du warst für mich ein Mensch, der auch mal alles auf eine Karte setzte, wenn es Dir notwendig erschien. Vielleicht erscheint uns das heute, wo die meisten Menschen sich immer absichern und am liebsten nie anecken möchten, so unglaublich? Vielleicht aber vermissen wir auch den Typ Politiker, der bereit ist, für seine Überzeugung auch Risiken einzugehen und alles auf eine Karte zu setzen? Vielleicht können wir es uns einfach nicht mehr vorstellen, dass jemand „Erster Diener seines Staates“ sein möchte und nicht wie heute leider viel zu oft, erst einmal bester Verdiener. Du bist mit solchen Ansichten der heutigen Generation vielleicht ein wenig fremd geworden. Bei allen Möglichkeiten der Mitbestimmung, wünschen wir uns am Ende doch Politiker, denen wir zutrauen, dass sie unsere Stimme in Parlamenten proper (wie Du so schön sagen würdest) vertreten. Du hast also noch heute den Menschen auch nach 300 Jahren etwas zu sagen. Hoffen wir, dass das auch die nächsten 300 Jahre der Fall sein wird.

Mit den besten Grüßen aus Mecklenburg in mein geliebtes Preussen

Dein

Stefan