Der Wandelbare

Donald Trump, der designierte 45. Präsident der USA, ist eine vielfach unterschätzte, politische Wundertüte.

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Als Donald Trump im Juni des vergangenen Jahres seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl bekannt gab, da hatten viele Menschen nur ein müdes Lachen für den als Außenseiter geltenden Kandidaten übrig. Der Immobilien-Milliardär aus New York hatte durch seine beim Fernsehsender NBC ausgestrahlten Sendungen „The Apprentice“ und „The Celebrity Apprentice“, die er zu einem Quotenhit gemacht hatte, einen hohen Bekanntheitsgrad. Niemand traute Trump aber wirklich zu, dass er auch nur die Vorwahlen überstehen würde. So hatte sich die Welt getäuscht: Seit dem 8. November ist klar, dass aus dem Außenseiter ein Aufsteiger geworden ist. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wird genau jener Donald Trump sein, der bis zuletzt völlig unterschätzt wurde.

Noch einen Tag vor der Wahl galt es allgemein hin als sicher, dass seine Kontrahentin um den Einzug in das Weiße Haus, Hillary Clinton, das Rennen machen würde. Sicherlich, ein wenig Federn musste die Favoritin des Establishments im Wahlkampf lassen, beliebt war sie bei vielen Menschen darüber hinaus auch nicht und gerade beim Endspurt legten ihr die Ermittlungen der Bundespolizeibehörde FBI im Zusammenhang mit E-Mail-Veröffentlichungen noch einmal Steine in den Weg. Trotzdem, so die große Hoffnung vieler Experten, Beobachter und Politiker, würde am Ende alles gut und Hillary Clinton die neue Hausherrin im Weißen Haus werden. Das war ein Trugschluss. Entsprechend lang waren nach der Wahl die Gesichter derjenigen, die sich das für sie Unvorstellbare nicht vorstellen mochten. Das Wahlergebnis holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Schockstarre hält bis heute an. Doch wer ist dieser Donald Trump eigentlich wirklich?

Selten hat ein Kandidat die Wähler so gespalten wie es Donald Trump gemacht hat. Das Wahljahr 2016 ist ein Trump-Jahr. Der Milliardär bestimmte die politische Agenda und prägte die politische Landschaft in den USA: Seine unkonventionellen Reden, seine Gestik und seine politischen Vorschläge sorgten ebenso für frenetischen Beifall als auch für aufgeregten Widerspruch. Trump polarisiert, beleidigt und greift permanent an. Egal, wie man sich zu ihm positioniert: Trump lässt kaum jemanden kalt.

Am 14. Juni 1946 wird Donald Trump in Queens, einem Stadtteil New Yorks, geboren. Väterlicherseits hat Trump deutsche Vorfahren. Sein Großvater Frederick Trump und Großmutter Elisabeth Christ kamen aus der Pfalz. Ursprünglich hießen seine Vorfahren Drumpf. Daraus wurde dann im Laufe des 17. Jahrhunderts der heutige Familienname Trump. Seine Mutter hat schottische Wurzeln. Mary Anne MacLeod kommt aus Tong auf der schottischen Isle of Lewis. Donald ist das vierte von insgesamt fünf Kindern. Trumps Vater war mit dem Bau von Mietskasernen in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn, Queens und Staten Island zum Multimillionär geworden.

Eigensinnig muss Trump schon in seinen Kinderjahren gewesen sein. Von 1956 bis 1959 war er Schüler an der Kew-Forest School in New York. Nach massiven Klagen der Lehrerschaft und dem Gefühl seines Vaters, das ihm sein Sohn aus den Händen geglitten sei, wechselt Donald Trump 1959 auf die New York Military Academy in Cornwall-on-Hudson, einem Privatinternat mit vormilitärischer Ausbildung. Hier sticht der Heranwachsende vor allem durch herausragende sportliche Leistungen hervor. 1964 erwirbt er den Highschool-Abschluss.

Danach studiert Trump Wirtschaftswissenschaften. Sein Studium schloss er 1968 mit dem Bachelor-Grad ab. Schon während seines Studiums betätigt sich Trump unternehmerisch. Von seinem Vater bekommt er 200 000 Dollar zur Verfügung gestellt, die er in marode Häuser investiert, die er saniert, um sie als Mietshäuser teuer weiterzuverkaufen.

Seit 1971 ist Donald Trump Geschäftsführer der „Trump Organization“, eines Mischkonzerns bestehend aus dem Hauptgeschäft „Trump Real Estate“, der Verwaltung und dem Betrieb von Luxusimmobilien, sowie weiteren Unternehmen wie Trump Golf, Trump Winery (Weinkellerei), Trump Entertainment (Unterhaltung) und Trump Merchandise (Handelsware).

In den 1980er Jahren gerät Trump unternehmerisch zunehmend in Schwierigkeiten. Neben seinem Immobiliengeschäft hatte der Milliardär über „Trump Entertainment“ auch auf Spielbanken und weitere Freizeitgeschäfte gesetzt. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Viermal – 1991, 1992, 2004 und 2009 – wurde wegen Zahlungsunfähigkeit seiner Casino-Unternehmungen Gläubigerschutz nach Kapitel 11 US-Handelsgesetz angewendet. Trump musste daraufhin unter anderem die Hälfte des Casinos Taj Mahal und des Plaza-Hotels verkaufen, zudem 1991 seine Yacht Trump Princess und 1992 die Fluggesellschaft Trump Shuttle. 2009 zog er sich aus dem Casinogeschäft vollständig zurück, verkauft aber auch in diesem Bereich weiterhin Lizenzen seines zugkräftigen Namens.

Trump wechselte mehrfach Parteien und Positionen

In den USA ist der Name Trump schon vor seiner Kandidatur als Präsident allgegenwärtig gewesen. Donald Trump ist eine Marke. Auf vielen Bauwerken ist sein Schriftzug zu lesen. Darüber hinaus tragen Bekleidung, Parfüms und Gesellschaftsspiele seinen Namen. Im Jahr 1999 gründete Trump seine eigene Modelagentur „Trump Model Management“. Der designierte US-Präsident scheute nie das Rampenlicht. Im Gegenteil: Gerne sonnte er sich darin. Er hatte TV-Sendungen wie „The Apprentice“ und organisierte Miss-Universe-Wettbewerbe. Trump hat 16 Bücher unter seinem Namen veröffentlicht, die als Ratgeberliteratur von Verhandlungs- und Geschäftspraxis handeln. Sein Buch „The Art of the Deal“ von 1987 stand 51 Wochen in der Bestsellerliste der New York Times und wurde bis zu eine Million Mal verkauft.

Seit den 1980er Jahren äußerte sich Trump immer wieder politisch in der Öffentlichkeit. Seine politische Positionierung ist dabei sehr sprunghaft gewesen. Im Jahr 1987 ließ er sich als Anhänger der Republikaner registrieren. 1999 wechselte Trump dann zur Kleinpartei Independence Party, einem Ableger der vom Unternehmer und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von General Motors, Ross Perots, gegründeten Reform Party. Für diese Partei kandidierte Donald Trump schon einmal in den Jahren 1988 und 2000 als US-Präsident, blieb aber chancenlos. 2001 wechselt Donald Trump abermals die Partei und schließt sich den Demokraten an. 2009 dann der letzte Wechsel: Trump wird wieder Republikaner. Seine Parteispenden verteilte er bis 2012 fast ausgewogen an die beiden großen konkurrierenden Parteien Republikaner und Demokraten. Zudem spendete er der Clinton Foundation 100 000 US-Dollar und unterhielt lange gute Beziehungen zu Hillary Clinton. Bei den Clintons ging Trump lange Zeit ein und aus und unterstützte auch die Senatskandidatur von Hillary Clinton finanziell.

Dass Trump noch einmal als US-Präsident kandidieren könnte, deutete sich schon vor der letzten Präsidentenwahl 2012 an. Ein Jahr zuvor hatte er mehrmals öffentlich angedeutet, dass er eine Kandidatur in Erwägung ziehen würde. Allerdings sagte er dann im Mai 2011 ab. Damals sorgte er mit der Behauptung für Aufsehen, wonach Präsident Obama gar nicht in den USA geboren sei. Trump bemühte sich damals ziemlich hartnäckig darum zu belegen, dass Obama in Kenia, der Heimat seines Vaters, geboren und erst später in die USA gebracht worden sei. Da US-Präsidenten per Gesetz in den USA geboren sein müssen, um kandidieren zu können, wäre der Beleg dieser Behauptung für Barack Obama fatal gewesen. Der amtierende US-Präsident hätte damit keinen Anspruch auf das Amt gehabt.

Am 16. Juni 2015 kündigte Donald Trump an, sich für die kommende Präsidentschaftswahl zu bewerben. Er versprach, dass er es mit den Wirtschaftsgroßmächten aufnehmen, die Zuwanderung wirksam begrenzen wird und sich als erfolgreicher Geschäftsmann bewusst außerhalb des Washingtoner Machtzirkels bewegen möchte. Typisch Trump, kündigte er großspurig weiter an, dass er der „der großartigste Arbeitsplatz-Präsident“ sein wird, „den Gott je erschaffen hat“.

Trump sorgte in den folgenden Wochen mit Äußerungen über Latinos für Aufsehen. Unter anderem brächten sie als Einwanderer Drogen und Kriminalität ins Land, „sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute“. Daraufhin trennte sich eine Reihe von Geschäfts- und Medienpartnern von ihm. Zwei Sender, Univision und NBC, stellten ihre Übertragung der von ihm produzierten Miss-Wahlen ein. Republikanische Parteifreunde distanzierten sich von ihm, selbst die anderen Präsidentschaftskandidaten mit Ausnahme von Ted Cruz. Schnell wurde klar, dass das Auftreten Trumps, der sich bewusst als Anti-Politiker inszenierte, seine Wirkung nicht verfehle. Umfragen unter den Anhängern der Republikaner ergaben schon Mitte Juli 2015, dass Trump auf Platz zwei, knapp hinter Jeb Bush, aufrückte oder sogar in Führung ging. Mit Donald Trump war zu also zu rechnen.

Anders als viele Medien immer wieder behaupteten, war der Wahlkampf Trumps nie politisch inhaltslos. Sehr wohl bediente sich der Republikaner politischer Inhalte, nur eben nicht solcher, die bisher allgemein hin als respektabel galten. Keiner hat damit so viel Aufmerksamkeit erregt wie Trump. In vergangenen Jahr ist niemand so häufig parodiert worden wie der Milliardär aus New York. Niemand ist so innig geliebt und so leidenschaftlich gehasst worden, wie der Immobilienmogul. „Dies ist kein Wahlkampf, dies ist eine Bewegung“, so sein Credo. Er wolle Amerika wieder groß machen. Das verfing vor allem bei denjenigen, die sich abgehängt fühlen.

Will man das Phänomen Trump erklären, muss man seine Wahl als einen Aufstand der Zurückgebliebenen gegen die Zukunft verstehen. Dr. Andrew Blair Denison, Direktor von Transatlantik Network in Königstein, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Die USA ist radikal in ihrem Fortschritt“. Vieles veränderte sich dort in den letzten Jahren und diejenigen, die nicht von den Veränderungen profitieren, deren wirtschaftliche Lage sich verschlechtert hat, sehnen sich wieder nach der alten USA zurück. Trump repräsentierte für sie genau diesen Wunsch nach einem Zurück in die vermeintlich goldenen Zeiten. Hier vermischt sich retroperspektivische Sehnsucht mit Wut. Den Ressentiments und der Wut verlieh Donald Trump eine Stimme.

In den USA lebende Muslime sollten registriert werden, die Einreise von Muslimen völlig unterbunden werden, so Trump. Dass all das weder praktikabel noch verfassungsgemäß ist, kümmert Trump genauso wenig wie seine Wähler. Das Establishment wird von ihm an den Pranger gestellt. Trump inszenierte sich als Heilsbringer: „Unser Militär ist ein Desaster. Unsere Gesundheitsfürsorge ist eine Horrorshow. Ich werde Obamacare abschaffen und ersetzen. Wir haben keine Grenzen, die illegale Einwanderung ist unglaublich. Unser Land wird regiert von unfähigen Leuten. Ja, ich bin sehr, sehr wütend“, so Trump immer wieder im Wahlkampf.

Er entwarf ein Zerrbild der Gegenwart und machte große Versprechen. Das alles auf dem Rücken von Minderheiten, ohne seriöse Politikangebote. Immer wieder dazu dann noch die diffamierende Kritik am angeblichen Gesamtversagen der politischen Elite. Das Ressentiment und die Verkündigung von Halbwahrheiten und Lügen werden zu legitimen Einwänden umdeklariert. Ängste werden geschürt und bestätigt. Politik ist nicht Logik und Verstand, sondern über weite Strecken Inspiration und Emotion. Das hat Trump sehr früh verstanden und ist nun auf den emotional hochgeschlagenen Wellen direkt ins Weiße Haus getragen worden.

Diese Emotionen, Ressentiments und Ängste nun wieder einzufangen, das wird die große Herausforderung für den neuen US-Präsidenten sein, der mit seiner Wahl nun selber Teil des Establishments ist. Trump hat viele Hoffnungen und Erwartungen geschürt. Er wird nun zeigen müssen, dass er diese auch in praktische Politik umsetzen kann. Ein altes amerikanisches Sprichwort lautet: „Präsidenten kommen und gehen – Interessen bleiben“. Abwarten, ob Donald Trump sich als US-Präsident nicht plötzlich wieder neu erfindet. Vieles spricht nach den ersten Auftritten nach seiner Wahl dafür.

Im Wahlkampf gab er sich den Anstrich eines konservativen Hardliners. Die meiste Zeit seines Lebens hat der New Yorker allerdings eher progressive Positionen vertreten; manche seiner Auffassungen sind für Konservative bis heute nicht leicht zu verdauen. In der Vergangenheit kreiste Trumps Engagement vor allem um eines, um ihn selber. Politische Brüche und Kehrtwendungen wurden leicht vollzogen, wenn sie ihm nutzten und Vorteile brachten. Für die kommenden vier Jahren kann diese Charaktereigenschaft sowohl ein Nutzen, aber auch ein großer Schaden für die USA sein.

Rom/Washington (DT/gho/CNA) In einem Interview, das die italienische Zeitung „La Repubblica“ gestern veröffentlichte, hat sich Franziskus gegenüber Zeitungsgründer Eugenio Scalfari auch zum neuen US-Präsidenten Donald Trump geäußert. Er wolle Politiker nicht beurteilen, sagt der Papst in dem am 7. November geführten Gespräch, „ich will nur verstehen, welches die Leiden seien, die deren Vorgehensweisen für die Armen und Ausgeschlossenen verursachen“. Gefragt, was ihn im Augenblick am meisten beunruhige, sagt der Papst: „Die Flüchtlinge und die Migranten.“ Man müsse die trennenden Mauern niederreißen und Brücken bauen, um den Wohlstand zu vermehren und weiter zu verbreiten, meint Franziskus und fordert „mehr Rechte und mehr Freiheit“.

Unterdessen gratulierte der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB) Trump und ermutigte ihn, sich für das Wohlergehen aller Bürger einzusetzen. Dabei richtete Erzbischof Joseph E. Kurtz von Louisville fünf Bitten an Trump.

1. Hören Sie auf das amerikanische Volk: „Gestern haben Millionen Amerikaner so gewählt, um gehört zu werden: Sie haben Schwierigkeiten, für ihre Familien wirtschaftliche Chancen zu finden. Unsere Antwort sollte sein: Wir hören sie“, so der Bischof. „Wir sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, Familien zu helfen.“

2. Schützen Sie das menschliche Leben, von seiner Zeugung bis zum natürlichen Ende: Die Bischöfe der USA hofften, „mit dem Präsidenten zusammenzuarbeiten beim Schutz des menschlichen Lebens“, von seinen Anfängen bis zu seinem natürlichen Ende. Die Hirten würden sich zudem für eine Politik einsetzen, die allen Menschen, egal welchen Glaubens und welcher Tätigkeit, Chancen gibt.

3. Nehmen Sie Migranten und Flüchtlinge auf: Kurtz betonte, dass die Bischöfe „auch weiterhin fest davon überzeugt sind, dass unsere Brüder und Schwestern, die Migranten und Flüchtlinge sind“ und aufgenommen werden könnten, ohne dabei die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

4. Schutz der verfolgten Christen im Nahen Osten: Die Bischöfe würden „auf die gewaltsame Verfolgung aufmerksam machen, die unsere christlichen Geschwister und Menschen anderen Glaubens in der ganzen Welt bedroht, besonders im Nahen Osten“.

5. Verteidigung der Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten: „Wir werden die neue Regierung auffordern, sich für die Religionsfreiheit einzusetzen, damit alle Menschen religiösen Glaubens die Freiheit haben, diesen zu verkünden und unser Leben nach der Wahrheit von Mann und Frau leben, und dem einmaligen Eheband, das diese schließen können“. Kurtz appellierte an die Amerikaner, einander nicht als Demokraten oder Republikaner zu sehen. „Lasst uns in unserem Nachbarn das Antlitz Christi sehen, besonders jene, die leiden oder unterschiedliche Sichtweisen haben.“ „Lasst uns für die Verantwortlichen des öffentlichen Lebens beten, damit sie der Verantwortung, die ihnen anvertraut worden sind, mit Gnade und Mut gerecht werden. Mögen alle Katholiken einander helfen, gläubig und fröhlich Zeugen der heilenden Liebe Jesu zu sein.“

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