Zu Besuch bei der Flüchtlingshilfe Schwerin

Mit Flüchtlingen spielend deutsch lernen

Die Integration der in den letzten Monaten in Deutschland angekommenen Flüchtlinge stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Die Integration der Menschen, das wird deutlich, könnte die Mammutsaufgabe der kommenden Jahre werden. Mit diesen Herausforderungen umzugehen, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für Karin Ständer, eine der Mitinitiatorinnen der Flüchtlingshilfe Schwerin, war Mitte des letzten Jahres schnell klar, dass sie sich ehrenamtlich für die Neuschweriner einsetzen möchte. Zusammen mit weiteren Mitstreitern gründete sie im Dreescher Stadttteiltreff »Eiskristall« damals die Flüchtlingshilfe.

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Ein Betätigungsfeld war schnell gefunden: Das Projekt »Spielend deutsch lernen«. Flüchtlingskinder, denen aufgrund eines Platzmangels kein Kitaplatz zur Verfügung gestellt werden kann, sollen dort am Vormittag betreut werden, damit die Eltern sich Behördengängen oder dem Deutschkurs widmen können.  Schnell konnte die St. Anna-Gemeinde als Partner gewonnen werden. Gerne stellte die Kirche ihre Räumlichkeiten in der Filialkirche St. Andreas zur Verfügung. Seit September werden hier nun Flüchtlingskinder betreut.

»Am Anfang waren es vier Kinder, die anfangs kamen. Die Skepsis war bei der ersten Begegnung zu spüren«, sagt Karin Ständer. Schnell wurden die Berührungsängste aber abgebaut. Heute umfasst die Gruppe 24 Kinder, wobei täglich etwa 12 bis 13 Kinder anwesend sind. Los geht es eigentlich um 9.00 Uhr. „Der erste Junge ist aber immer schon kurz vor 8.00 Uhr da. Der Vater bringt ihn, da wenig später schon sein Deutschkurs beginnt“, erklärt Karin Ständer. So müsse um diese Zeit auch schon immer ein Betreuer anwesend sein. Etwa 20 Helfer stehen inzwischen zur Verfügung. Die einen sind mehrmals die Woche da, andere sind nur an bestimmten Tagen da und andere springen immer dann ein, wenn es nötig ist. „Jeder kann mitmachen wie es seine Zeit erlaubt“, sagt Ständer.

Die Eltern nehmen das Angebot gerne wahr, da es ihnen wichtig ist, dass die Kinder etwas lernen. Gerade Kinder finden einen besseren Zugang zu einer neuen Sprache. „Bis sechs Jahren ist die neue Sprache ja so etwas wie die Muttersprache“, sagt die ehemalige Lehrerin. Spielend lernen die Kinder hier die deutsche Sprache. Besonders geht es dabei um das Alltagsdeutsch. So nehmen die Kinder auch immer an kleinen, kindgerechten Lerneinheiten teil. Während unseres Besuches lernen die Kinder gerade die Zahlen.

Die Gruppe im Gemeindezentrum ist multikulturell geprägt. So gibt es derzeit Mädchen und Jungen aus Syrien, Afghanistan und Ghana. Das Alter der Kleinen liegt zwischen zwei und sechs Jahren. Es waren aber auch schon neunjährige Kinder da. „Wir können das hier mit der Altersbegrenzung nicht so eng sehen. Wir wollen den Eltern ja helfen, sich möglichst schnell hier in Schwerin zu integrieren.“

Die Nachfrage an dem Angebot ist nach wie vor riesig. Mit den derzeit 24 Kindern sei die Kapazität aber völlig ausgeschöpft, sagt die Projektleiterin. Eine zweite Gruppe aufzumachen, dafür reichen die räumlichen Kapazitäten leider nicht. Karin Ständer sieht hier die Bildungsträger in der Pflicht, die derzeit Deutschkurse für Flüchtlinge anbieten. Sie müssten auch die Kinderbetreuung absichern, solange dies nicht über die Kindertagesstätten erfolgen kann. Ehrenamtliche Projekte wie „Spielend Deutsch lernen“ könnten nur eine Übergangslösung sein. Unterstützer des Projektes ist neben der Katholischen Kirche auch der Verein „Die Platte lebt“.

 

Dieser Artikel erschien erstmal in am 22.01. 2016 in der Neuen Kirchenzeitung.

 

 

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