Rückenwind für Lebensschützer

US-Vizepräsident Pence und New Yorks Kardinal Dolan beim „Marsch für das Leben“. 

 

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(c) Gage Skidmore /Wikipedia

 

Am vergangenen Freitag fand in Washington der 44. March for Life (Marsch für das Leben) statt. Obwohl seit 1974 jedes Jahr hunderttausende Gegner der Abtreibungspraxis durch die US-amerikanische Hauptstadt marschieren, stand der Marsch in diesem Jahr im besonderen Fokus der Öffentlichkeit. Das hängt mit dem neuen US-Präsidenten zusammen. Die Trump-Administration hat in der kurzen Zeit ihrer Regierung deutlich gemacht, dass sie dem Thema Lebensrecht einen hohen Stellenwert beimisst. So wird die Wiedereinführung der „Mexico City Policy“, wonach keine staatlichen Gelder an Organisationen im Ausland fließen dürfen, die Abtreibungen durchführen oder bewerben, als ein deutliches Signal in Richtung der Lebensrechtler gewertet.

 

Mehrere Mitglieder von Trumps Regierung sind Abtreibungsgegner, darunter der designierte Justizminister Jeff Sessions, der künftige Gesundheitsminister Tom Price und Vizepräsident Mike Pence. Er führte in diesem Jahr den Marsch an und sprach zu den Teilnehmern. Mit ihm nahm der bisher höchste politische Repräsentant am „March for Life“ teil. In seiner Rede sagte Pence: „Dank euch und den vielen Tausend, die bei Märschen in der ganzen Nation an unserer Seite stehen, gewinnt in Amerika wieder das Leben.“ Der Vizepräsident kündigte an, die neue Regierung wolle darauf hinarbeiten, der Abtreibungsorganisation „Planned Parenthood“ alle Unterstützungen durch Steuergelder zu streichen. In einigen Bundesstaaten wird das heute schon ganz oder teilweise praktiziert.

 

Die Regierung Obama hatte bis zum Schluss versucht, Planned Parenthood zu unterstützen. Noch Ende 2016 arbeitete sie an einer Regelung, die es Kliniken wie denen von Planned Parenthood ermöglicht hätte, weiterhin staatliche Gelder zu beziehen – auch, wenn sie Abtreibungen anbieten. Doch einer der Richter blockierte diese Regel, einen Tag vor der Verabschiedung.

 

Vizepräsident Pence kündigte in seiner Rede vor den Lebensrechtlern an, die neue Regierung strebe ein gesetzliches Verbot der Spätabtreibung an. Er appellierte an die Teilnehmer, sich für den Aufbau einer Kultur einzusetzen, die das ungeborene Leben achte und zugleich schwangere Frauen in schwierigen Situationen besser unterstütze. Es müsse für sie Alternativen zur Abtreibung geben. Über den Kurznachrichtendienst Twitter bekundete auch Präsident Trump seine Unterstützung für den Marsch für das Leben. „Der Marsch für das Leben ist so wichtig. An alle, die marschieren – Ihr habt meine volle Unterstützung.“ Auch Trumps Beraterin Kellyanne Conway versicherte die Teilnehmer der Unterstützung der neuen US-Regierung: „Wir hören euch, wir sehen euch, wir respektieren euch und wir arbeiten zusammen mit euch!“

 

In einer Grußbotschaft bekundete Papst Franziskus den Teilnehmern seine Unterstützung. Er sei dankbar für das „beeindruckende Zeugnis für die Heiligkeit jedes menschlichen Lebens“, heißt es in einer Grußbotschaft, die dem vatikanischen Nuntius in Washington, Erzbischof Christoph Pierre, durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übermittelt wurde. Der Heilige Vater gab sich zuversichtlich, dass diese Initiative „zu einer Mobilisierung der Gewissen, zur Verteidigung des Rechts auf Leben und zu wirksamen Maßnahmen zur Sicherstellung des rechtlichen Schutzes“ beitragen könne. Niemand dürfe unter Berufung auf ein vermeintliches „Recht auf den eigenen Körper“ das Leben eines im Mutterbauch heranwachsenden Kindes beenden.

 

Mit einem Gottesdienst in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis, dem Nationalheiligtum der USA, hatte der New Yorker Erzbischof, Kardinal Timothy Dolan, der in der Bischofskonferenz für das Thema Lebensschutz zuständig ist, den Marsch eröffnet. Der Mutterleib schütze das neue Leben und sei das erste und wichtigste „Heiligtum“, sagte Kardinal Dolan. Eine Gesellschaft, in der dieser Ort in Gefahr sei, setze ihre gesamte Menschlichkeit aufs Spiel.

 

Neben der Prominenz in der neuen US-Regierung und kirchlichen Vertretern nahmen auch der Footballspieler Benjamin Watson von den Baltimore Ravens sowie Abby Johnson, die sich früher für eine liberale Abtreibungspraxis einsetzte, dann aber umschwenkte und heute eine Gegnerin von Abtreibung ist, am Marsch teil. Über die Teilnehmerzahlen liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der katholische US-Sender EWTN sprach von mehr als 500 000 Teilnehmern. In der medialen Berichterstattung wurde lediglich von „zehntausenden Teilnehmern“ gesprochen, was bezweifelt werden darf. Die Teilnehmerzahl steigt nämlich an. 2011 waren es bis zu 400 000 Lebensrechtler, 2013 nach Schätzungen rund 650 000 Teilnehmer. Unwahrscheinlich daher, dass es heuer weniger Teilnehmer gewesen sein sollen.

 

Der Marsch gilt als die weltweit größte Kundgebung für das Leben. Die Zahlen sind in diesem Jahr von Interesse, da eine Woche zuvor an gleicher Stelle, an der National Mall im Herzen der US-Hauptstadt, der „Marsch der Frauen“ stattfand. Hier sprach die Medienberichterstattung im Nachgang von hundertausenden Teilnehmern. Die Teilnehmer hatten sich klar für das Recht auf Abtreibung positioniert.

 

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