Chemnitz: Bürgerprotest und gewalttätige Radikale

Seit Sonntag kochen die Wogen hoch: Nach der Tötung eines 35-jährigen Mannes in Chemnitz fragen sich viele Menschen in unserem Land, was ist los? Diese Frage ist tatsächlich berechtigt.

Auf der einen Seiten ein abscheuliches Tötungsverbrechen, und auf der anderen Seite widerliche Jagdszenen, die zeigen, dass etwas in unserem Land verrückt ist. Das Potential auf rechter Seite, in kurzer Zeit Menschen über soziale Netzwerke zu mobilisieren, ist unterschätzt worden. Die Antwort der Zivilgesellschaft lautet wieder einmal nur Pädagogik. Fast krampfhaft ist man bemüht nach der Hetzjagd und den Protesten in Chemnitz zu zeigen, dass es das andere Sachsen gibt.  Bands wie Marteria und Casper,  Die Toten Hosen, K.I.Z, Feine Sahne Fischfilet sowie die Lokalmatadoren Kraftklub und Trettmann rufen zu einem Konzert auf. Der kalkulierte Hintergrund dürfte sein, dass man mit der Musik viele Leute anlocken kann. Wir wollen mehr sein als die Anderen – das soll das Signal sein, dass von Chemnitz ausgeht. Und ohne Frage, dieses Sachsen gibt es genauso wie es das Sachsen der wütenden und radikalisierten Menschen gibt. Nur ist der Versuch, wieder einmal nur mit Symbolik auf die Ereignisse zu reagieren, völlig untauglich. Viele Menschen wollen keinen Symbolismus, sondern Lösungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Flüchtlingsströme vor drei Jahren gesagt, dass wir das schaffen. Sie vergaß dabei aber zu sagen, wie sie es schaffen möchte. Genau auf diese Antwort warten aber viele Menschen. Antworten, die aus der Politik einfach nicht kommen. An der Migrations- und Integrationspolitik ist eine gesamtgesellschaftliche Polarisierung entstanden, die – so fürchte ich – erst der Anfang sein könnte. Wer sich als Politiker diesen Antworten verweigert, der verweigert den Menschen eine Erklärung, wie er sich die Zukunft vorstellt. Die Migration und Integration werden die gigantischen Reizthemen des nächsten Jahrzehnts sein.

Wer Extremisten und Vereinfachern das Handwerk legen möchte, der muss die Probleme erkennen, zuhören und bereit sein darüber zu sprechen.

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