Mehr als ein bloßer Job

In der Schweiz wird über ein Hausfrauen-Gehalt debattiert – Was sagt die Soziallehre dazu? 

Wir fordern eine Wirtschaftspolitik, die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit ins Zentrum stellt und diese finanziert“, heißt es im Aufruf des sogenannten „Komitees für den Frauenstreik vom 14. Juni“. In einer nationalen Streikversammlung im März hatte die Gruppe sich dafür ausgesprochen, dass Hausarbeit „ökonomisch aufgewertet“ werden müsse. Wie das genau aussehen könnte, das kann man in dem Aufruf nicht lesen.

 

Eine Initiative von Feministinnen

 

Eine Gruppe von Feministinnen in Bern hat die Idee vorgelegt, dass Hausfrauen einen Lohn von rund 7 000 Franken vom Staat erhalten sollen. Anja Peter, Projektleiterin bei der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Bern ist eine maßgebliche Unterstützerin dieser Forderungen. Frauen und Männer, so die Argumentation von Peter, arbeiten im Jahr die gleiche Stundenanzahl. Im Gegensatz zu Männern, verdienen Frauen allerdings nichts für ihre Arbeit. Für die studierte Historikerin ist das „ein Skandal“. Peter und ihre Mitstreiterinnen belegen ihre Argumentation mit Zahlen der Ökonomin Mascha Madörin. Die Wissenschaftlerin hat für die Schweiz ausgerechnet, dass Frauen jedes Jahr 108 Milliarden Franken weniger verdienen als Männer – obwohl sie gleich viele Stunden arbeiten. Hauptgrund dafür ist, dass Frauen zwei Drittel der unbezahlten Arbeit in der Schweiz leisten. Madörin schätzt den Wert dieser Arbeit auf 80 Milliarden Franken im Jahr.

Die Debatte, die nun in der Schweiz geführt wird, ist nicht neu. Schon Anfang der 1970er Jahre schlugen solche Diskussionen in den westlichen Industrieländern hohe Wellen. 1972 hatte das „International Feminist Collective“ die Kampagne „Lohn für Hausarbeit“ initiiert. Sie wurde damals innerhalb der sich formierenden Frauenbewegungen vor allem in Großbritannien, den USA, Kanada, Italien, der Schweiz und in der alten Bundesrepublik geführt. Vor allem von linksgerichteten Kräften dominiert, hatte die Diskussion ihren Ursprung in der Analyse der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in Beruf und Familie. Hier wurde eine Unterdrückung der Frau gesehen. Vieles hat sich inzwischen allerdings verändert: Verheiratete Paare müssen heute de jure die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen regeln. Die Forderung nach Lohn für Hausarbeit war in der Frauenbewegung schon damals nie mehrheitsfähig. So gibt es auch jetzt sofort Widerspruch in der Schweiz. Die Zürcher sozialdemokratische Nationalrätin Min Li Marti findet die Idee „nicht fortschrittlich, sondern reaktionär“. „Unsere Volkswirtschaft würde ohne die Arbeit der Frauen nicht funktionieren“, sagt Marti. Aber eine „Herdprämie“ sei sicher nicht die Lösung. Dem widerspricht Anja Peter. Für sie ist Lohn für Hausarbeit eine „emanzipatorische Forderung“. „Früher hieß es, Hausarbeit gehöre zur Natur der Frau. Hausarbeit ist Arbeit, sie hat nichts mit der Natur der Frau zu tun.“ Deshalb müsse die Gesellschaft die Arbeit bezahlen.

 

Dienst an Familie sollte „Liebesdienst“ sein

 

Der katholische Sozialethiker Elmar Nass, Professor an der Wilhelm Löhe Hochschule, sieht die Forderungen kritisch. „Die soziale Anerkennung funktioniert nicht über Sozialtransfers. Sie funktioniert über eine neue soziale Gesinnung der Menschen“, so Nass gegenüber der „Tagespost“. Gründe dafür, dass Frauen zu Hause bleiben, liegen nicht selten darin, dass sie sich der Kindererziehung widmen. Daher müsse die Gesellschaft Kinder wieder „als Schätze“ entdecken und „die liebende Erziehung als sozialen Wert ansehen“. „Dieser Gesinnungswandel geschieht nicht über finanzielle Anreize, sondern nur mit einem persönlichen Überdenken unseres Menschenbildes. Der Dienst an den Kindern sollte ein Liebesdienst sein. „Der finanzielle Sozialtransfer kommerzialisiert diesen Gedanken und führt zu einem Verdrängungseffekt: die Sorge aus Liebe wandelt sich zu einer bloßen Pflichterfüllung. Das widerspricht jeder Idee von Humanität und erst recht einem christlichen Familienbild. Sie instrumentalisiert die Kinder und verdrängt die Elternliebe“, argumentiert Nass.

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