„So wahr mir Gott helfe“

Katholiken offenbaren ein ambivalentes Verhältnis zum neuen US-Präsidenten.

Am Freitag legte Donald Trump auf den Stufen des Kapitols vor dem Obersten Richter John Roberts seinen Amtseid ab. Mit der Hand auf der Bibel, die bereits Abraham Lincoln bei seiner Inauguration nutzte, fügte Trump hinzu: „So wahr mir Gott helfe.“ Damit begann die Amtszeit des 45. Präsidenten. Es waren vor allem die Katholiken, die Trump den Sieg ermöglichten. Das sagen zumindest Detailerhebungen in einigen wahlentscheidenden Staaten. Gut 52 Prozent der Katholiken stimmten für den Republikaner Trump. Damit ist der Multimilliardär aus New York der dritte Republikaner, der von einer absoluten Mehrheit der Katholiken unterstützt wird. Laut dem Meinungsforschungsinstitut Gallup gelang das bisher nur Richard Nixon 1972 (52 Prozent) und Ronald Reagan bei seiner Wiederwahl 1984 (61 Prozent). Das Verhältnis zwischen Katholiken und dem neuen US-Präsidenten ist trotzdem ambivalent.

Gestern nahm New Yorks Erzbischof Timothy Kardinal Dolan an der Amtseinführung teil und las aus der Bibel. Seit Gründung der USA gehört es zum festen Brauch der künftigen Präsidenten, ihre bevorzugten Prediger nach Washington einzuladen.

Dolan hatte sich im Wahlkampf weitestgehend neutral gegenüber Donald Trump verhalten. Allerdings kritisierte er heftig die Pläne Trumps in der Einwanderungspolitik. In einem Gastbeitrag für die „New York Daily News“ warf der Erzbischof von New York dem Milliardär damals eine feindliche Haltung gegenüber Einwanderern vor. Der Kardinal betonte, dass er keine Wahlempfehlung abgeben wolle. Doch als Katholik nehme er die Lehre der Bibel ernst, wonach man den Fremden willkommen heißen solle; eines der am häufigsten wiederholten moralischen Gebote sowohl im Alten als auch im Neuen Testament.

Kritik an Kardinal Dolans Äußerungen ließ nicht lange auf sich warten. Der US-Priester Marcel Guarnizo ging in einem Kommentar auf dem der Tea-Party nahestehenden Portal breitbart.com hart ins Gericht. „Ich entschuldige mich im Namen vieler Katholiken, die schockiert sind von der schmutzigen Politik von Kardinal Dolan“, schrieb er. Dolan sei nicht bekannt für intellektuellen Tiefgang. Sein Sekretär solle die Äußerungen des Kardinals vor Veröffentlichung prüfen, um den amerikanischen Katholiken zukünftige Peinlichkeiten zu ersparen.

Katholische US-Medien hielten sich im Wahlkampf mit klaren Wahlentscheidungen zurück. Deutlich wurde aber trotzdem, dass man in Trump die Wahl des kleineren Übels sah. Michael Warsaw, der Verleger der wohl wichtigsten katholischen Zeitung „National Catholic Register“ und zugleich Chef von EWTN, also dem weltweit größten religiösen Mediennetzwerk, sah in einem Artikel eine der entscheidenden Fragen in der Neubesetzung eines Richters am Supreme Court als Nachfolger für den verstorbenen Antonin Scalia, der als führender konservativer Kopf unter den Richtern galt. Von Trump erhofft man sich Unterstützung bei dem Streit um die von Obama eingeführte Krankenversicherung. Der Fernsehsender EWTN, aber auch Nonnen wie die armen Schwestern der Armen zum Beispiel, haben den Staat verklagt. Sie wehren sich dagegen, dass sie Abtreibungen und andere Dinge, die mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sind, für ihre Mitarbeiter finanzieren müssen.

Die US-Katholiken steckten von Anfang an in einem Dilemma. Auf dem Rückflug aus Mexiko hatte sich Papst Franziskus doch recht deutlich darüber geäußert, ob jemand überhaupt noch ein Christ ist, der Mauern hochziehen will, wie es Trump immer wieder versprochen hatte.

Kurz nach der Wahl gratulierte die US-Bischofskonferenz dem Wahlsieger Trump. Dabei betonte sie vor allem den Lebensschutz. Die Konferenz blicke zuversichtlich auf die Zusammenarbeit, „um das menschliche Leben von seinem höchst verletzlichen Beginn bis zu seinem natürlichen Ende zu schützen“, erklärte der Vorsitzende und Erzbischof von Louisville, Joseph Kurtz. Kurtz bekräftigte aber zugleich den Einsatz der Bischöfe für Einwanderer. Zugleich betonte er, es müsse sichergestellt werden, dass Gläubige ihr Leben rund um „das einzigartige Band der Ehe“ zwischen Mann und Frau gestalten könnten.

In Deutschland gab man sich schnell nach der Wahl besorgt. Der Limburger Bischof Georg Bätzing erklärte auf der Homepage seines Bistums, dass es ihn unruhig mache, „wenn ich das Ergebnis im Kontext der weltpolitischen Konstellation betrachte“. Er bedauere, dass sich Staaten zunehmend auf ihre innenpolitischen Aufgaben konzentrierten und sich abschotteten gegenüber der Verantwortung internationalen Handelns. Bätzing betonte zugleich, dass man mit einem demokratisch erzielten Wahlergebnis mit Respekt umgehen müsse. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, sprach sich kurz nach der Wahl Trumps für einen nüchternen Umgang mit dem Wahlergebnis aus. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff erinnert kurz nach der Wahl an die Pogromnacht am 9. November 1938. Jeder hätte damals in Deutschland sehen können, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Er habe daher große Sorge, dass die Menschen vergessen hätten, wohin es führt, „wenn man einen populistisch schwätzenden Machtmenschen durch demokratische Wahlen an die Macht bringt“.

Kardinal Dolan las gestern aus Kapitel 9 des alttestamentlichen „Buches der Weisheit“. Dort betet König Salomo um Weisheit, um Israel nach Gottes Willen zu führen. „Denn welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen,/ oder wer begreift, was der Herr will?“, heißt es an einer Stelle.

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