Zwischen Physik und Religion

Aus der kirchlichen Arbeit in Mecklenburg war er nicht wegzudenken: Er hat die katholische Erwachsenenbildung aufgebaut und war zuletzt Polizeiseelsorger. Diakon Dr. Stephan Handy wurde nun in den Ruhestand verabschiedet.

Viele Weggefährten, Mitbrüder und Polizeibeamte waren am 12. November in die Schweriner St. Martinskirche gekommen, um ihn zu verabschieden. Domkapitular Propst Horst Eberlein leitete die Verabschiedungs-Vesper. Stephan Handys Lebenslauf zeigt, dass das Bekenntnis zu seinem Glauben zu manchen Zeiten Mut bedeutete. 1950 in Waren geboren, studierte Handy Physik an der Universität Rostock. Er engagierte sich dort in der Katholischen Studentengemeinde und kam damit sehr früh in das Visier der Staatssicherheit. Nach Studienende und seiner Promotion sollte Handy als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die damalige Pädagogische Hochschule nach Güstrow wechseln.

Alles schien „in trockenen Tüchern“ zu sein. Kurz vor Dienstantritt kam dann die Absage. Dem promovierten Physiker fehle die nötige „politische Zuverlässigkeit“, hieß es hinter vorgehaltener Hand. An dieses Kapitel wurde Stephan Handy wieder erinnert, als er für die Rentenstelle seinen Lebenslauf zur Berechnung des Rentenanspruchs einreichen musste. Drei Monate Beschäftigungsnachweise fehlten ihm da. Handy war also in der DDR, das war eine Seltenheit, arbeitslos gewesen.

Später arbeitete er als Entwicklungsingenieur im Kombinat Forsttechnik Waren. Während dieser Zeit studierte er Theologie in einem Fernkurs und wechselte 1986 in den kirchlichen Dienst. Er wurde zum Ständigen Diakon geweiht und arbeitete bis 1994 als Gemeindediakon in Waren. Im Nebenamt betreute er die Akademikerseelsorge in Mecklenburg.

Für viele mecklenburgischen Katholiken bleibt der Name Dr. Stephan Handy aber mit dem Exerzitien- und Bildungshaus Edith Stein in Parchim verbunden. Als im Mai 1994 der Grundstein für die Bildungseinrichtung gelegt wurde, war Dr. Handy als späterer Direktor von Anfang an dabei. Bequem war er in dieser Funktion auch im Bistum nicht immer. Noch bei der Verabschiedung erinnerte sich Johannes Krefting, der Leiter des Referat Bildung, daran, dass es oft harte Auseinandersetzungen gegeben habe, da man nicht immer einer Meinung gewesen sei. Trotzdem sei Dr. Handy immer ein „fairer Gesprächspartner“ gewesen.

2010 wurde Handy dann mit der katholischen Polizeiseelsorge in Mecklenburg-Vorpommern betraut, eine Aufgabe die ihm Spaß machte. Noch bis zum Januar wird er dieses Amt ausführen. Die Wertschätzung, die er bei der Polizei erfährt, wurde auch beim anschließenden Empfang im Erzbischöflichen Amt deutlich, dass vom Polizeimusikorchester musikalisch begleitet wurde. Der Kirche in Mecklenburg wird Stephan Handy trotz Ruhestand auch in Zukunft noch erhalten bleiben.

 

Dieser Artikel ist zuerst in der NEUEN KIRCHENZEITUNG erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.